1. Impressionismus


1.1 Was ist Impressionismus

Das impressionistische Auge ist der menschlichen Entwicklung am weitesten voraus, es ist das Auge, das die kompliziertesten Verbindungen von Nuancen und Farbtönen erfasst und wiedergegeben hat. Die Impressionisten gaben die drei großen Illusionen auf, nach denen sich die akademischen Maler richteten: Linie, Perspektive und Atelierbeleuchtung. Wo der eine nur die Konturen der Objekte sieht, sieht der andere die wirklich lebendigen Linien, die sich nicht aus geometrischen Formen, sondern aus tausend unregelmäßigen Strichen zusammensetzen, die aus der Entfernung zum Licht erweckt werden. Wo der eine die Dinge auf Grund seiner theoretischen Komposition perspektivisch in regelmäßige gestaffelten Ebenen sieht, sieht der andere, wie die Perspektive aus tausend hingetupften Nuancen und Pinselstrichen und durch den sich wandelnden Zustand der Atmosphäre geboren wird.
Jules Laforgue (französischer Lyriker)




Claude Monet: Impression

Der Impressionismus hat sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickelt. Erfunden wurde er von Malern wie z.B. Claude Monet ( 1840 - 1926) , Auguste Renoir ( 1841 - 1919) und Edgar Degas (1834 - 1917). Der Impressionismus ist im Gegensatz zur zeitgenössischen Malerei keine Kunst der Nachahmung im Sinne einer wirklichkeitsgetreuen Abbildung, vielmehr ist er eine neue Art des Einfangens und Malens sensueller Eindrücke , des Festhaltens von Sinneseindrücken auf der Leinwand. Die Impressionisten interessierte an einem Objekt nicht das Wesen oder gar das abstrakte Ding an sich (sonst wären sie ja Expressionisten), sondern seine Erscheinung, seine atmosphärische Hülle in der subjektiv wahrgenommen Welt des Betrachters. Der Unterschied zur konventionellen Malweise zeigte sich in der Abkehr von: Stattdessen wandte sich der Impressionismus einer neuen gleichwertigen, gleichwertenden Ordnung von Massen, Farben und Flächen dem rein visuellen , rein sinnfälligen Phänomen zu. Im Gegensatz zur herkömmlichen akademischen Kunstgestaltung wird nun hauptsächlich im Freien unter den Bedingungen des natürlichen Lichts gemalt und die Landschaft in ihrem momentanen Seheindruck festgehalten. Die Motive sind meistens Natureindrücke. Von Nahem sind auf einem impressionistischen Gemälde relativ grobe und eher kurze Pinselstriche sichtbar. Erst aus der Entfernung verschwimmen die Farben und erzeugen mit Hilfe des Gehirns des Betrachters einen Eindruck über das Detail. Dadurch wird die Fantasie des Betrachters mit einbezogen, der Schauende nimmt aktiv an der Wirkung des Bildes teil. Komposition, räumliche Wirkung und Linien treten zurück. Gegenstände, Licht und Schatten werden durch das Spiel von Licht und Farben auf der Oberfläche dargestellt.

1.2 Wie entstand er ?

Die Kunstauffassung in Frankreich Mitte des 19. Jahrhunderts wurde durch die Kunstschule Ecole des Beaux-Arts ("der Salon") in Paris geprägt. Sie unterstand der absoluten Autorität des Malers Dominique Ingres ( 1780 - 1867 ). Er meinte, dass die Linie in einem Kunstwerk wichtiger als die Form sei. Er verlangte von seinen Schülern genaueste Zeichnungen und duldete die Farbe lediglich zur Kolorierung. Die Gegner dieser klassizistischen Auffassung wurden von Eugène Delacroix ( 1798 - 1863 ) angeführt. Für den Romantiker Delacroix war die Farbe wichtiger als die Zeichnung. Er maß dem Gefühl und dem individuellen Ausdruck große Bedeutung bei. Der Streit zwischen Ingres und Delacroix wurde in den meisten Cafés zwischen den Studenten diskutiert. Daneben gab es die sogenannten "Realisten", deren bekanntester Vertreter Gustave Courbet ( 1813 - 1877 ) war. "Seien wir echt auch wenn wir häßlich sind" lautete die Devise dieser Strömung.
Frühstück im Grünen
Manet: Frühstück im Grünen
Schließlich vollzog Édouard Manet ( 1832 -1883 ) den endgültigen Bruch mit Ingres Anhängern. In leuchtenden Farben gab er der subjektiven Wahrnehmung Vorrang und malte in seinem berühmten Bild "Frühstück im Grünen" ( 1863 ) eine nackte Frau inmitten einer Herrengesellschaft, für die damalige Zeit ein Skandal. Doch nach wie vor entschied "der Salon" über die Ausstellungsrechte der Bilder und lehnte die meisten Bilder der heute berühmten Maler ab, z.B. auch die von Paul Cézanne. Im Jahre 1863 richtete Napoleon III. eine Gegenausstellung , den "Salon des Refusès" ( Salon der Abgewiesenen ) ein, um den verschmähten Künstlern eine Chance zu geben.
Da die Aussichten im Salon und bei der Kritik schlecht waren, entschlossen sich die Künstler, eine eigene Ausstellung zu finanzieren. Sie geben sich den Namen "Anonyme Gesellschaft der Künstler, Maler, Bildhauer, Graveure". Am 15. April 1874 wurde diese Ausstellung im ehemaligen Atelier des Photographen Nadar am Boulevard des Capucines eröffnet und war ein Skandal. Der Kritiker Luis Leroy von der satirischen Zeitschrift "Le Charivari" verspottet Monet als "impressionistisch". Damit war der Kunstrichtung der Name gegeben. Der ersten Impressionisten-Ausstellung in Frankreich folgte im April 1876 eine zweite, die wiederum aus Geldnot der Künstler veranstaltet wurde. Die Kritiker bezeichneten sie als "Catastrophe" , lediglich ein einziger Befürworter, der Zollbeamte Victor Chocquete , fand sich ein, der die Bilder der Impressionisten kaufte und sammelte. Die Maler ließen sich trotz der Misserfolge nicht entmutigen und malten weiter. Sie fanden erst gegen Ende der 19. Jahrhunderts gebührende Achtung.

1.3. Die berühmtesten Maler

Paul Cézanne ( 1839 - 1906 )

Paul CezanneBesuch des Collège Bourbon in Aix en Provence. Freundschaft mit seinem Mitschüler Emile Zola. Zeichenschule in Aix. Ab 1862 ist Cézanne Schüler an der "Académie Suisse" in Paris. Dort lernt er Pissarro kennen, der ihn zu helleren, freundlicheren Farben anregt und ihn auch davon überzeugt im Freien zu malen. Es beginnt die sogenannte "impressionistische Periode" (1872-1882). 1883-1895 "Periode der Synthese". Mit Synthese ist das Gleichgewicht von Farbe, Zeichnung, Schattierung und Form gemeint. 1896-1906 "lyrische Periode": zeugt von einer harmonischen Ausgeglichenheit von kompositorischer Strenge, formaler Struktur und lyrischer Gesamtkonzeption. Zu dieser Zeit entwickelt er sich zu einem der größten Vorgänger des Kubismus. Einige Werke: "Die Kartenspieler", "Große Badende", "Paul Alexis liest Emile Zola vor", "Das Sainte-Victoire-Gebirge", "Im roten Fauteuil".


Edouard Manet ( 1832 - 1883 )

Manet entsagt der Laufbahn eines Marine-Offiziers, für die ihn seine Familie bestimmt hatte und tritt in das Atelier von Thomas Couture ein ( 1849 - 1856 ). Er führt im Louvre Studien der alten Meister durch und bereist Italien, Deutschland und Holland. Von 1863 - 1865 gibt es mehrere Skandale um Bilder von Manet, weil er nach Ansicht der Kritiker Frauen zu freizügig malte. Im Zusammenhang mit seinen Gemälden wird von "Aufforderung zur Prostitution" gesprochen. 1868 Reise nach Spanien, seiner Liebe zur spanischen Kunst des 17. Jahrhunderts folgend ( Velasquez, Murillo ). Entwicklung zum Impressionismus. 1874 gemeinsames Malen mit Monet in Argenteuil. 1880 beginnt er an Bewegungsstörungen zu leiden. Einige Werke: "Kind mit Kirschen", "Lola von Valencia", "Das Frühstück im Grünen", "Olympia", "Das Frühstück im Atelier".
Edouard Manet>
Édouard Manet: Die Bootsfahrt


Claude Monet ( 1840 - 1926 )

Obwohl in Paris geboren, wächst er in Le Havre auf. 1858 lernt er Boudin kennen, der ihn zur Freilichtmalerei inspiriert. 1859 Bekanntschaft mit Pissarro an der "Académie Suisse" in Paris. Claude Monet: Hauptportal der Kathedrale von Rouen Im Atelier Gleyre trifft er Bazille, Sisley und Renoir, die 1863 mit ihm zusammen im Wald von Fontainbleau malen. 1865 - 1870 bevorzugtes Malen von Landschaften in der Nähe von Paris und in der Normandie. 1870 Studien von Constable und Turner in London. 1874 stellt er ein Gemälde aus, das er in Le Havre geschaffen hat "Impression, aufgehende Sonne". Dieses Bild gibt der neuen Kunstrichtung seinen Namen. Berühmt werden seine Serien, bei denen er das gleiche Objekt zu verschiedenen Tageszeiten, bei unterschiedlichen Lichtverhältnissen malt ( Bahnhof Saint-Lazare, Eisgang auf der Seine bei Vétheuil ). 1890 ist Monet so wohlhabend, dass er das Haus, das er seit 1887 in Giverny bewohnt, erwerben kann. 1892 -1895 entsteht eine Serie vom Hauptportal der Kathedrale von Rouen. 1900 - 1904 unternimmt er mehrere Reisen nach London. 1899 beginnt Monet seine letzte Serie, die ihn bis zu seinem Tod im Jahre 1926 beschäftigt. Er malt den Seerosenteich in seinem Garten in Giverny. Wie ein Komponist dasselbe Thema in zahlreichen Varianten behandelt, so wandelt Monet sein Motiv ohne Unterlaß ab.
Monet
Claude Monet:
Hauptportal von Rouen
Monet Monet

Pierre-Auguste Renoir ( 1841 - 1919 )

1854 wird er Dokorateur in einer Porzellanmanufaktur. Nachdem ihm diese Tätigkeit nicht zusagt, bemalt er Fächer und Markisen nach der Tradition des 18. Jahrhunderts um Geld zu verdienen. 1862 schreibt er sich in der Akademie der schönen Künste und im Atelier Gleyre ein, wo er auf Bazille, Monet und Sisley trifft.1864-1870 stellt er regelmäßig im Salon aus. 1871-1888 enge Freundschaft mit Monet; dadurch wird der impressionistische Einfluß auf seine Arbeiten immer größer. 1881 und 82 bereist er Algerien. 1883 beginnt eine große Veränderung. Er wendet sich vom Impressionismus ab, beginnt mit Studien alter Meister und es beginnt eine Zeit des Suchens und Experimentierens. Wegen starken Rheumas siedelt er nach Südfrankreich über. In seiner letzten Schaffensperiode werden besonders Einflüsse von Rubens, Boucher und Ingres sichtbar. Einige Werke: "Le Pont Neuf", "Die Loge", "Frühstück der Bootsfahrer", "Der Tanz in Bougival".

Renoir
Auguste Renoir: Die Loge

1.4 Die Zeit danach

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts machten sich die beiden französischen Maler Georges Seurat (1859-1891) und Paul Signac (1863-1935) die neu aufkommenden, wissenschaftlichen Farbtheorien, z.B. von Maxwell, zu Nutze. Sie vermischten die Farben nicht wie üblich, sondern setzten die Farben unvermischt als kleine Farbpunkte nebeneinander. Durch subtraktive Farbmischung entstand z.B. aus blauen und gelben Farbpunkten der Farbeindruck Grün. Die beiden "Meister des Punktes" gehören zur Strömung des sogenannten "Neo-Impressionismus". Der französische Impressionismus hatte auch einen entscheidenden Einfluss auf die deutschen Impressionisten wie Max Liebermann, Lovis Corinth oder Max Slevogt.

2. Edgar Degas

2.1 Die Zeit vor dem Impressionismus

Edgar Degas heißt eigentlich mit vollem Namen Edgar-Germain-Hilaire de Gas und wurde am 19. Juli 1834 geboren. Sein Vater Pierre-Auguste de Gas stammte aus Neapel. Er war ein angesehener Bankier, der auch den schönen Künsten, der Musik und Malerei, sehr zugetan war. So gehörten die Sammler Lacaze, Marcille, Soutzo sowie Édouard Valpincon, ein Freund von Jean-Dominique Ingres zu seinem Bekanntenkreis.
Seine Mutter Celestine Musson kam aus New Orleans und war kreolischer Herkunft. Sie starb bereits 1847.
Er war der älteste von fünf Geschwistern, ihm folgten Achille, Thérèse, Marguerite und René. Von 1845 bis zu seinem Baccalauréat 1853 besuchte er das rennomierte Lycée Louis-le-Grand Gymnasium. Er war ein mittelmäßiger Schüler, hatte aber im Zeichnen immer sehr gute Noten. Zu seinen Mitschülern gehörte Paul Valpincon, der Sohn des bekannten Sammlers, sowie Henri und Alexis Rouart und Ludovic Halévy.
Sein Vater besaß von Ingres mehrere Gemälde und wenn er die Sammlungen seiner Bekannten besuchte war Edgar fast immer dabei. Oft wurde er in den Louvre geschickt. Nachdem die Familie 1852 umgezogen war, wurde es für Edgar immer klarer, daß er Künstler werden wollte und er richtete sich sein erstes Atelier ein.
1853 beginnt er bei Barrias seine Ausbildung. Er arbeitete vormittags in dessen Ateliers und nachmittags besuchte er das Kupferstichkabinett, indem er mit dem Bleistift Stiche von Mantegna, Dürer, Rembrandt und Goya kopierte. Bei seinen häufigen Besuchen des Louvres interessierten ihn vor allem die Werke von Giotto, Uccello, Luca Signorelli, Clouet, Le Sueur und Holbein. Diese kopierte er ebenfalls.
degasSeine Arbeiten signierte er mit "Degas", während sich seine Familie weiter "de Gas" schrieb. Dann verließ er Barrias. Er hielt es bei ihm nicht aus und er brach auch das juristische Studium ab, welches er dem Vater zu Gefallen begonnen hatte. Der nächste Lehrer Degas war Louis Lamothe, ein Schüler von Ingres. Lamothe unterrichtete ihn getreu den Grundsätzen seines Lehrers Ingres: das wichtigste in einem Bild ist vor allem die Zeichnung und eine klare Linienführung, die Voraussetzung dafür ist handwerkliches Können, das durch Arbeiten nach dem Gedächtnis erworben wird. Er fertigte Proportionsskizzen nach dem Lehrbuch "LŽArt de Dessiner" von Jean Cousin.
Wenn man seine Selbstportraits aus dieser Zeit betrachtet sieht man einen verschlossenen jungen Mann mit melancholischem Gesichtsausdruck, nur die Lippen wirken etwas trotzig. Seine Geschwister zeichnete er ähnlich.
Obwohl Degas nur wenige Begegnungen mit Ingres hatte (er war 21, Ingres 75 Jahre alt), haben diese ihn wahrscheinlich doch entscheidend beeinflußt.
Von 1854-1860 unternahm er jährlich eine Italienreise, so besuchte er Neapel, Rom, Assisi und Florenz, wo er alte Meister studierte und kopierte. Eigene Arbeiten aus dieser Zeit sind Portraits von Familienmitgliedern. Es fällt dabei auf, daß Degas nur Personen zeichnete, mit denen er vertraut und über die er sich im klaren ist.
Seine Begeisterung für die alten Meister stand im Gegensatz zu seinem Bedürfnis seinen eigenen Stil zu finden. Er litt sehr unter diesem Widerspruch. Später wird Degas diese Epoche so beschreiben: "Es war die außergewöhnlichste Zeit in meinem Leben. Mit Ausnahme einiger Worte an die Meinen habe ich nichts geschrieben, ich zeichnete."
Nach Paris zurückgekehrt malt er in seinem neuen Atelier in der Rue Madame sein erstes großformatiges Gemälde "Die Familie Bellelli", das heute im Louvre hängt ( 200 x 250 cm ). Es zeigt die Familie seiner Tante Laure de Gas, die den Baron Bellelli geheiratet hat mit ihrem Mann und ihren beiden Töchtern.
Degas
Die Familie Bellelli

Pferde

Unter Louis Philippe und Napoleon III. wurde es für die bessere Gesellschaft Mode, Pferderennen zu besuchen. Dies spiegelte sich auch bei den Künstlern dieser Zeit wieder. Degas wurde im Herbst 1861 zu seinen ersten Pferde- und Reiterstudien angeregt. Damals verbrachte er mehrere Wochen als Gast seines Freundes Paul Valpinson auf dem Landgut Ménil -Hubert in der Normandie. Nicht weit von dem Anwesen befand sich das zu dieser Zeit führende Gestüt Haras-du-Pin, das er häufig zu Studienzwecken besuchte. Die berühmtesten Bilder aus dieser Zeit: "Das Rennen der Herrenreiter" und "Der Aufbrach zur Jagd". Zu dieser Zeit lernt Degas Èdouard Manet kennen, der ihn mit Renoir, Monet, Zola und anderen Künstlern bekannt macht. Das Café de Bade in Paris, später das Café Guerbois war ihr regelmäßiger Treffpunkt.

degas
Junge Spartanerinnen


In der Zeit 1860-65 malte er 5 Historienbilder, da damals die Historienmalerei die Krönung der Malerei war. Sie hießen: "Junge Spartanerinnen fordern Knaben zum Wettkampf heraus", "Erbauung Babylons durch Semiramis", "Alexander und Bukephales" und "Kriegsszene aus dem Mittelalter". Diese Gemälde hatten aber nur geringen künstlerischen Wert. 1865 debütiert Degas im Salon, der damals wichtigsten alljährlich im Palais der Industrie stattfindenden Pariser Ausstellungsform mit dem Historienbild "Mittelalterliche Kriegsszene: Die Leiden der Stadt New Orleans". Das Bild findet wenig Beachtung, genauso wie die Gemälde, die der Künstler in den Jahren 1866 - 1870 im Salon einem breiten Publikum präsentiert.

2.2 Die Zeit des Impressionismus

Im Jahr 1870 meldet sich Degas freiwillig zur Infanterie in einem der Pariser Forts. Er steht unter dem Kommando seines ehemaligen Klassenkameraden Henri Rouart, mit dem er fortan eng befreundet bleibt. Bei Schießübungen wird sein Augenleiden bemerkt. Der Tod eines Freundes, des Bildhauers Cuvelier, der wie degasBazille auf dem Schlachtfeld fiel, und die Niederlage Frankreichs gingen ihm sehr zu Herzen. 1871 flieht er vor der Kommunenherrschaft in die Normandie zu seinem Freund Paul Valpinson. Zurück in Paris stellte er zum ersten mal Tänzerinnen dar und zwar in den Proberäumen der alten Pariser Oper, zu denen er als bevorzugter Abonnent während der Proben Zutritt hatte.
1872/73 besuchte er Verwandte in New Orleans. Wie er in Italien die Familie Bellelli portraitiert hatte, so malte er jetzt in New Orleans sämtliche Mitglieder der Familie. Seine bekannteste Arbeit dort war "Portraits in einem Baumwollbüro in New Orleans". Es zeigt 14 Personen bei verschiedenen Tätigkeiten im Baumwollkontor seines Onkels. Jeder ist ganz mit sich selbst und seinem augenblicklichen Tun beschäftigt. Dadurch entsteht der Eindruck einer seltsamen Kontaktlosigkeit.
Doch er war dann wieder froh in seinem Pariser Atelier zu sein. Und die Tänzerinnen vor allem bei den Proben faszinierten ihn mehr und mehr.
Im Jahre 1874 starb sein Vater.
Im gleichen Jahr nahm Degas tätigen Anteil an der Vorbereitung der ersten Ausstellung der Malerfreunde. Am 15. April 1874 wurde die Ausstellung im ehemaligen Atelier des Photographen Nadar am Boulevard des Capucines eröffnet und war ein Skandal. Degas war dabei mit 10 Arbeiten vertreten. Er lehnt die neu entstandene Bezeichnung "Impressionismus" ab, da er im Gegensatz zu den anderen Künstlern nicht im Freien malte. Bis 1886 beteiligte er sich nahezu regelmäßig an den Impressionisten-Ausstellungen.
Ab 1875 hatte Degas mit großen finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen. Sein Bruder Achille hatte durch eine Fehlspekulation sein gesamtes Vermögen verloren. Für Edgar war es selbstverständlich für den Lebensunterhalt seines Bruders und seiner Familie aufzukommen. Degas war zu dieser Zeit übrigens immer noch Junggeselle. Und es schmerzte ihn besonders dass er keine Kinder hatte.
1876 gab es zwei weitere Impressionisten-Ausstellungen in den Galerieräumen des Kunsthändlers Paul-Durand-Ruel und es wurden 24 von Degas Werken ausgestellt.
1877 bei der dritten Ausstellung war er mit 25 Werken am Start. Zwei Jahre später stellte er mit den "Indépendants" erstmals bemalte Fächer und Radierungen aus, darunter das Portrait Mary Cassatt im Louvre. Außerdem arbeitete er mit Pissarro und Mary Cassatt und er beteiligte sich an der 4. und 5. Impressionisten-Ausstellung. 1881 zeigte Degas in der 6. Ausstellung u.a. die nahezu lebensgroße Wachstatuette einer vierzehnjährigen Tänzerin. Sie war mit einem Leibchen aus farbigen Leinen sowie einem Gaze-Tuch bekleidet; hoch aufgerichtet, kraftvoll verharrt die Gestalt in einer Ballettposition. Zu dieser Zeit werden auch erstmals Fotos von galloppierenden Pferden veröffentlicht. Die Bilder inspirieren Degas und andere Künstler zum Malen von Bewegungssequenzen von Pferden. Neben zahlreichen Monotypien nimmt das Pastell einen immer größeren Platz in seinem Werk ein. 1882 entstanden mehrere Pastelle zum Thema der Modistinnen.
Außerdem erste großformatige Arbeiten mit weiblichen Akten bei der Toilette, ein Thema, das schließlich zusammen mit zahlreichen Tänzrinnensujets das Gesamtwerk beherrschte. Obwohl sie sich zu Lebzeiten nicht besonders gut verstanden ging Degas Èdouard Manets Tod ( 1883 ) sehr nahe. Er sagte zu Freunden: "Er war größer als wir dachten". 1884 begegnete Degas Gauguin, der Degas bewundert.
1885 nahmen seine Sehstörungen stark zu.
Degas1886 beteiligte Degas sich an der achten und letzten Gruppenausstellung der Impressionisten.mit einer Reihe von Pastellen: weibliche Akte, die baden, sich waschen, sich abtrocknen, sich kämmen und frisiert werden. Auf all diesen Bildern ist das Modell völlig unkonventionell dargestellt, ohne das geringste Bemühen um "schöne" oder "erotische" Wirkung. Degas wollte nur eines: den Eindruck wiedergeben, den eine ganz mit sich beschäftigte Frau aus überraschendem Blickwinkel und in ungewohnter Verkürzung weckt. Dies erklärt die scheinbaren Verzerrungen und Disproportionen.
Degas wurde von Pissarro immer der "Wilde", der "Monsier Degas", wie man früher von "Monsier Ingres" gesprochen hatte - dies verriet eine gewisse furchtsame Distanz, aber auch Achtung. 1889 reiste Degas nach Spanien und Marroko. Im Herbst folgenden Jahres weilte er bei seinen Freunden Jeanniot in Diènay. Aus diesem Anlaß entstanden farbige Landschaftsmonotypien. 1892 fand die erste und letzte Einzelausstellung Degas in der Galerie Durand-Ruel in Paris statt. Gezeigt wurden ausschließlich kurz zuvor gefertigte Landschaftsmonotypien.
1893 verschlechterte sich der Zustand seiner Augen so, dass es immer schwieriger wurde zu malen. 1897 reiste er nach Montauban, um den Nachlaß Ingres im dortigen Museum zu sichten. Ab 1898 lebte er zurückgezogen und empfing nur wenige seiner Freunde im Atelier.
1908 mußte er das Malen wegen seiner schlechten Augen aufgeben.
Am 27. September 1917 starb Degas im Alter von 83 Jahren. Seinem Wunsch nach wird auf sein Grab auf dem Montmartre- Friedhof nur der Satz geschrieben: "Il aimait beaucoup le dessin !"

3. Ein Interview mit Edgar Degas

Meine Zeitmaschine hat anscheinend funktioniert. Wir schreiben nun das Jahr 1908 und ich sitze hier bei dem großen Edgar Degas, dem Mann, dem Mythos, der Legende. Für die damalige Zeit ist er ja jetzt schon richtig alt, nämlich 73 Jahre. Er trägt einen schwarzen Hut und hat einen weißen Vollbart. Außerdem macht er einen sehr gequälten Eindruck. Ich vermute mal, dass er traurig ist, weil er vor kurzem die Malerei aufgeben mußte. Aber über all dies will ich ja mit ihm reden:

Herr de Gas sie sind ein sehr bedeutender Künstler. Was würden Sie einem jungen begabten Maler heute raten ?
Jeder kann mit fünfundzwanzig Jahren Talent haben; worauf es ankommt ist es, mit fünfzig Talent zu haben. In jungen Jahren muß man sein handwerkliches Können vervollständigen, d.h. man muß erst von alten Meistern lernen bevor man später einen eigenen Stil findet. Ich habe mein ganzes Leben damit verbracht zu versuchen. Jeder Künstler sollte sich darüber im klaren sein, dass er nie an ein Ziel kommt.

Warum haben Sie eigentlich nicht geheiratet ?
Warum ich nie geheiratet habe? Nun ich fürchtete immer, meine Frau könnte eines meiner Bilder ansehen und sagen: "Mm, das ist hübsch...". Da ist die Liebe - und da die Malerei. Und wir haben doch nur ein Herz.

Wie würden sie eigentlich ihre Kunst beschreiben ?
Keine Kunst ist weniger spontan als die meine; Inspiration, Spontanität, Temperament sind mir unbekannt. Wenn ich Frauenportraits male sind sie vollkommen unkommerziell ohne Schönheit und Erotik. Ich will dann nur den Eindruck zeigen, einer Frau aus einem total unüblichen Blickwinkel, die mit sich selbst beschäftigt ist

Wo entstanden ihre Bilder ?
Alle meine Bilder entstanden in meinem Atelier. Ich weigerte mich auch meinen Kollegen gegenüber im Freien zu malen. Denn es ist ratsamer nach dem Gedächtnis zu zeichnen wenn man das Sujet nicht mehr vor Augen hat. Dann nämlich kommt die Einbildungskraft dem Gedächtnis zu Hilfe, man bringt nur auf die Leinwand was beeindruckt, d.h., das Notwendige.

Ist Berühmtheit wichtig für Sie ?
Mir scheint, wenn man sich heute ernsthaft mit Kunst beschäftigen und sich eine kleine originale Ecke schaffen oder sich wenigstens die bescheidenste persönliche Art wahren will, muß man in der Einsamkeit neue Kraft schöpfen. Es gibt zu viele Klatschereien. Man schämt sich vor allem bei Leuten bekannt zu sein die einen nicht verstehen. Die Popularität ist nahezu schändlich.

Also ich verstehe ihre Kunst sehr gut!! Also wirklich sie sind der beste Künstler der Welt.
Daran sieht man schon, dass sie von Kunst überhaupt keine Ahnung haben.

Ich meine natürlich: Sie sind gut. Aber andere sind genial.
Wenn sie das sagen.

Macht es ihnen eigentlich nichts aus, dass ihre Werke so niedergemacht wurden ? Wobei sie in der Zukunft die absolute Hochachtung genießen werden.
Dann leben also in der Zukunft keine Kunstbanausen mehr?

Äh, nein!
Welches meiner Werke gefällt ihnen am besten?

Äh... das eine da... "Impression, aufgehende Sonne."
DAS IST EIN MONET!!!!!!!!!! Ich glaube sie sind gar kein Kunstkenner!! Die Zukunft aus der Sie kommen scheint ja furchtbar zu sein!!!

Ja. Natürlich ein Monet. Tut mir leid. Also grüßen Sie Manet noch von mir und...
Verschwinden Sie! Raus!

O.K. ich bedanke mich für das Gespräch.



Ich glaube Degas war dann doch ein paar Nummern zu groß für mich.




4. Zeittafel


1860 Victor Hugo schreibt "Les Misérables"
1861 Beginn des Sezessionskrieges
Philipp Reis konstruiert den Fernsprecher
1862 Sklavenbefreiung durch Lincoln in den eroberten Südstaaten
Charles Garnier baut die große Oper in Paris
1865 Wilhelm Busch veröffentlicht "Max und Moritz"
Leo N. Tolstoi schreibt an seinem Roman " Krieg und Frieden"
Gründung der BASF
Auguste Kekulé entdeckt die Ringform des Benzolmoleküls
1867 Alfred Nobel erfindet das "Dynamit"
Karl Marx veröffentlicht den ersten Band von "Das Kapital"
1869 In Frankreich Liberalisierung unter Napoleon III.
Einweihung des Suez-Kanals
1870 Deutsch - Französischer Krieg; Niederlage Frankreichs; Gefangennahme und Abdankung Napoleon III. Revolution in Paris, Léon Gambetta proklamiert am 4.September die Dritte Republik; Belagerung von Paris
Heinrich Schliemann beginnt die Ausgrabung von Troja
Von Jules Verne erscheint "20 000 Meilen unter dem Meer"
1871 28. Januar Kapitulation von Paris und Rücktritt der Regierung Gambetta; Friedensverträge von Versailles und Frankfurt Elsaß-Lothringen geht ans Deutsche Reich
18.3 - 25.5. Aufstand der Pariser Kommune, wird von Truppen der Provisorischen Regierung unter Adolphe Thiers niedergeworfen
1872 Emile Zola beginnt die Romanreihe "Rougon-Macquart"
1873 Frankreich beginnt mit der Eroberung des nördlichen Vietnam
1874 Baubeginn der Kirche "Sacré Coeur" in Paris
1875 Formelle Konstituierung der Dritten Republik in Frankreich
Georges Bizets Oper "Carmen" fällt bei der Uraufführung in Paris durch
1879 Werner von Siemens baut die erste elektrische Lokomotive
1880 14. Juli ist das erste Mal Nationalfeiertag in Frankreich
1881 Louis Pasteur entwickelt Schutzimpfung gegen Tollwut
1883 Gottlieb Daimler baut ersten Benzinmotor
1889 Alexandre Gustave Eiffel vollendet für die Weltausstellung in Paris den 300 Meter hohen Eiffelturm ( zu dieser Zeit höchstes Bauwerk der Welt )



5. Literaturverzeichnis







Kommentare und mail

an den Autor: manuel.theobald@gmx.net


Und nun noch ein paar Fragen zu dieser Seite...
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Das war gut
Das war ok
Das war nicht so toll
Das war absoluter Mist

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